FSJ: Jugendhilfe-Austausch mit Russland

Vier Teilnehmer des Freiwilligen Sozialen Jahrs (FSJ) der Jugendhilfe Essen (JHE) wurden Ende 2016 zu Botschaftern ihrer Heimatstadt. Per Skype erörterten sie mit Studenten der Universität Nischni Nowgorod das Konzept des FSJ als Möglichkeit mit sozialen Problemstellungen umzugehen. Die beiden FSJlerinnen Johanna Müller und Laura Rüter erinnern sich an den aufregenden Tag:

Botschafter für Essen: Vier FSJler berichteten von ihrem Arbeitsalltag. Fotos: Steinhöfer/JHE

Heißer Draht: Per Skype wurde die Delegation in Russland kontaktiert.

Anfang Dezember wurde JHE-Pädagogin Claudia Hansen von James Mean angesprochen. Der Musiker ist mit seiner Band „King‘s Tonic“ häufig in Russland unterwegs und hatte so Kontakte zur Universität der Essener Partnerstadt Nischni Nowgorod. Er hatte die Idee, dass Teilnehmer des Freiwilligen Sozialen Jahrs von ihren bisherigen Erfahrungen in den Einsatzstellen berichten könnten. In Russland gibt es viele soziale Aufgaben und ein solcher Dienst könnte womöglich helfen, ein System zum Umgang mit diesen Problemen zu etablieren.
Nach mehreren E-Mails zwischen der JHE und der Universität in Essens Schwesterstadt einigte man sich auf ein Skype-Gespräch am 6. Dezember um 15.30 Uhr, um einen Austausch zwischen den russischen Studenten und den deutschen FSJlern zu ermöglichen. In der Jugendhilfe-Zentrale an der Schürmannstraße waren Martin Schröder, Niklas Haake, Laura Rüter und Johanna Müller. Je zwei von ihnen sind in den Einsatzbereichen Offener Ganztag und Kindertagesstätte tätig. Freiwillige aus dem Bereich Pflege und Betreuung in Altersheimen waren an diesem Tag verhindert.

Von der JHE-Kantine in den Hörsaal
Im Hörsaal der russischen Universität warteten auf die gespannten FSJler neben Studenten der Technischen und Medizinischen Fakultät, ihrer Dozentin, Musiker James Mean und einer Dolmetscherin noch Mitglieder der Moskauer Wohltätigkeitsorganisation „Under the Flag of Kindness“, des russischen Wirtschaftsministeriums sowie der Ministerien für Sozialpolitik, Erziehung und Gesundheit der Region Nischni Nowgorod. Um einen ersten Eindruck zu erhalten, begann das Gespräch mit einer gegenseitigen Vorstellungsrunde.
Die Essener erklärten das Prinzip eines FSJ als Möglichkeit, sich während eines Überbrückungs- und Orientierungsjahres zwischen Schulabschluss und Studium oder Ausbildung sozial zu engagieren. Dabei stehen Einsatzstellen im Offenen Ganztag, in Grundschulen, in Kindergärten sowie in Altersheimen zur Verfügung. Ein Freiwilliges Soziales Jahr wird durch ein monatliches Taschengeld und positive Anrechnung für den weiteren beruflichen Werdegang, etwa durch Wartesemester oder als praktisches Jahr, staatlich gefördert. Im Vordergrund steht dabei der Umgang mit Menschen jeglicher Altersklassen und Herkunft.

Orientierung und soziales Engagement
Die russische Moderatorin Natalia Davidova erzählte uns, dass Studenten nach Beendigung ihres Medizinstudiums für ein Jahr in einer sozialen Einrichtung tätig werden können. Diese Institutionen arbeiten insbesondere mit Menschen mit Behinderung, wobei der Mensch Schwerpunkt ist, nicht sein Handicap.
Anschließend begann das Interview. Die Dozentin rief einzelne Studenten auf, ihre Fragen an uns zu richten. Interessiert waren diese zunächst an unserem Umgang mit Waisenkindern. Allerdings mussten wir zugeben, dass wir mit dieser Problematik (noch) keine Erfahrungen gemacht hatten. Unsere größten Schwierigkeiten im Umgang mit Kindern sind meist Kommunikationsprobleme, die unter anderem mit der Flüchtlingssituation in Deutschland zusammenhängen.
Eine andere Studentin interessierte sich für die Gestaltung des Alltags eines FSJlers in der Einsatzstelle. Der Tagesablauf ist geprägt von kleinen Aufgaben im Hintergrund, wie beispielsweise Tätigkeiten im Haushalt oder in der Organisation und Planung, aber auch von gemeinsamen, spielerischen Aktivitäten sowohl drinnen als auch draußen mit Kindern. Dadurch werden wir FSJler zu Bezugspersonen für sie und symbolisieren nicht nur einen Spielpartner, sondern auch erzieherische Instanz.

Gelungene Zusammenarbeit
Leider wurde es am Ende wegen der Zeitverschiebung für die russischen Studenten etwas spät, so dass einige Fragen von uns offen blieben. Trotzdem bedankten sich beide Seiten für das Gespräch und die russische Delegation äußerte großes Interesse an einer weiteren Zusammenarbeit.
Abschließend kann gesagt werden, dass das Gespräch eine aufschlussreiche Erfahrung war, auch wenn die FSJler der Jugendhilfe in anderen Einsatzbereichen arbeiten als die russischen Medizinstudenten. Die sozialen Gegebenheiten in Russland sind ebenfalls anders, so dass ein Freiwilliges Soziales Jahr daran angepasst werden müsste. Der Musiker James Mean berichtete anschließend, dass dieser erstmalige Austausch eine gelungene Zusammenarbeit war.

Botschafter für Essen: Vier FSJler berichteten von ihrem Arbeitsalltag. Fotos: Steinhöfer/JHE

Heißer Draht: Per Skype wurde die Delegation in Russland kontaktiert.

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