GWA-PLUS-Tierpflege: animalisch gute Kollegen

Die Jugendfarm Altenessen ist nicht nur Spielwiese der Ferienkinder und beliebter Ausflugsort für Jung und Alt, zugleich arbeiten hier zwölf Teilnehmer der GWA-PLUS-Tierpflege der Jugendhilfe Essen gGmbH (JHE). Im Rahmen der Gemeinwohlarbeit sollen die jungen Menschen lernen, wieder Struktur in ihren Tag zu bringen, sie sollen Kontakte knüpfen und neues Selbstbewusstsein gewinnen. Entscheidend für das Angebot: die Unterstützung der 58 Farmtiere.

Die Jugendlichen übernehmen Verantwortung: Regelmäßig müssen den Farm-Tieren Klauen und Krallen geschnitten werden. Fotos: Müller/JHE

Wichtige Arbeiten für ein funktionierendes Hofleben: Misten ist Teil der Aufgaben für die Teilnehmer.

Die Teilnehmer sind im Alter von 18 bis 25 Jahren, die Zeit auf der Farm beträgt maximal ein Jahr. Selten blicken die bis zu zwölf GWA-Tierpfleger auf ein leichtes Leben zurück, familiärer Hintergrund, Schulden oder Wohnsituation zählen häufig zu den Schwierigkeiten. Ziel der GWA-Tierpflege ist deshalb, Probleme mit der Alltagsbewältigung auszuräumen: „Wir unterstützen die Teilnehmer individuell und auf ganzer Linie“, erläutert Maren Peters, Diplom-Pädagogin der Jugendhilfe Essen.
Die Arbeit auf der Jugendfarm schafft Struktur im Alltag der Tierpfleger, auch persönliche Beratungsgespräche stehen auf dem Programm. Zusätzlich gibt die Tierpflege den jungen Menschen Gelegenheit, neue Kontakte zu knüpfen und die Wartezeit bis zur Aufnahme eine möglichen Therapie zu überbrücken. Manche lebten vor ihrer Zeit auf der Farm isoliert, hier können sie sich mit Menschen austauschen, die im bisherigen Leben ähnliche Erfahrungen wie sie selbst hatten.

Der perfekte Schlüssel
Die Rolle der Tiere ist bei der Rehabilitation der Teilnehmer entscheidend: „Wir haben hier 58 Co-Therapeuten“, schmunzelt Peters, „das ist ein perfekter Schlüssel!“ Kämpft einer der jungen Menschen mit einem schwachen Selbstvertrauen, bekommt er sofort Rückmeldung von den Farmbewohnern: Ein 500 Kilo schweres Pferd beispielsweise lässt sich von einem Menschen nicht durch bloße Muskelkraft kontrollieren, – hier sind oft Feingefühl und eine innere Stärke entscheidend. „Die Teilnehmer werden langsam an die Thematik rangeführt und lernen den richtigen Umgang mit den Tieren“, kommentiert die JHE-Pädagogin. Dadurch entwickeln die Teilnehmer auf lange Sicht inneren Halt – das Selbstbewusstsein steigt durch die Erfolge.
So wird die Zeit mit den Tieren ein Grund zum Aufstehen, er motiviert und gibt dem Tag einen Sinn. Thomas Virnich, Abteilungsleiter der Jugendberufshilfe, erläutert die Besonderheiten des Projekts: "Wir führen die Gemeinwohlarbeit PLUS im Bereich Tierpflege seit über fünf Jahren erfolgreich in Kooperation mit dem JobCenter Essen durch. Dieses spezielle Angebot mit den Tieren findet an einem für eine Großstadt ganz besonderen Ort statt und kann labile Jugendliche dabei unterstützen, die nächsten stabilisierenden Schritte zu gehen."

So ein Mist

Für das Farmleben leisten die Tierpfleger einen wichtigen Beitrag und unterstützen auch die Arbeit des Hausmeisters, halten die Tiere sauber und unterstützen nach Absprache mit dem Arzt bei medizinischen Belangen. Neben ihren alltäglichen Pflichten, wie Füttern und Ausmisten, haben die jungen Menschen zum Beispiel einen Elektrozaun fachlich installiert, den Hühnerstall gestrichen. Auch den Kollegen vom Gartenlandschaftsbau greifen die Tierpfleger gerne mal unter die Arme.

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Die Jugendlichen übernehmen Verantwortung: Regelmäßig müssen den Farm-Tieren Klauen und Krallen geschnitten werden. Fotos: Müller/JHE

Wichtige Arbeiten für ein funktionierendes Hofleben: Misten ist Teil der Aufgaben für die Teilnehmer.

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