Fair…rappt! 6: Heimat
Furioses Fair...rappt-Finale: Amewu rockte auf dem Abschlusskonzert die Weststadthalle. Fotos: Müller/JHE

Das Projekt „Fair…rappt!“ hat mehrere Ziele: Zunächst soll das Interesse Jugendlicher und junger Erwachsener für soziale und politische Themen geweckt werden. Zugleich wird gefragt, wie man gesellschaftlichen Problemen, wie beispielsweise Intoleranz, Gewalt und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit, entgegenwirken kann. Mithilfe des Mediums Musik und der Unterstützung junger kreativer Leute im Alter von 13 bis 27 Jahren ging die Jugendhilfe Essen als Fortsetzung von „Nation Mensch“ das Thema „Heimat“ an.

„Ich glaube, Heimat weist in die Zukunft, nicht in die Vergangenheit. Heimat ist der Ort, den wir als Gesellschaft erst schaffen.“ Mit Nachdruck bringt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier „Heimat“ in seiner Rede zum Tag der Deutschen Einheit in den Fokus der Öffentlichkeit. Der Begriff ist aktueller denn je und erfährt in Zeiten von Migration und Flucht eine neue Ausprägung. Die Veranstaltungsreihe Fair…rappt! knüpft mit dem diesjährigen Motto an die Themen von „Nation Mensch“ und fragt, was den Heimat-Begriff ausmacht, was er für uns alle bedeutet und wie wir miteinander umgehen sollten.

Jugendgerechte Workshops und Veranstaltungen sollen Politik und Demokratie erlebbar machen und dabei Handlungskompetenzen und Möglichkeiten aufzeigen, damit junge Menschen an sozialen und politischen Themen teilnehmen.
Musik ist eine gemeinsame Sprache, die Menschen verbindet und Vorurteile abbauen kann. Der Rap wird so zum Mittel des Ausdrucks, der Mitwirkung. Hier haben Menschen, für die Toleranz kein Fremdwort ist, die Möglichkeit, sich Gehör zu verschaffen.

1. Sampler- und Songwettbewerb
Aufgabe ist es, einen Sampler oder Song zum Thema „Heimat“ zu schreiben. In sechs verschiedenen Kategorien können junge Menschen zwischen 13 und 27 Jahren ihr Können beweisen: bester recorded Song, beste Schuleinsendung, bester Sampler-Beitrag, bester Live-Auftritt und Online-Voting. Als Preise winken unter anderem ein Fotoshooting (Judith Buethe), Tag im Tonstudio (Sirius Sounds), Live-Auftritte, Musikvideo (Big Visions), Konzerttickets sowie Geld- und Sachpreise.
Ganz im Sinne des Mottos können die Einsendungen in Deutsch, Englisch, Französisch, Farsi oder Arabisch sein. Es ist möglich alleine oder in der Gruppe teilzunehmen, Voraussetzung ist allein NRW als Wohnort. Einsendeschluss ist allgemein der 10. Dezember, für die Sampler-Beiträge der 15. November. Einsendungen per E-Mail an fairrappt@jh-essen.de.
Während der Wettbewerbsphase – bis zum 10. Dezember – bietet die Jugendhilfe Essen für Schulklassen und Jugendgruppen professionelle Unterstützung durch lokale HipHop-Künstler.

2. Rap Contest – Bester Live Act
Es gibt keine Jury, nur das Publikum entscheidet! Präsentiert in 15 Minuten eure Fähigkeiten und holt euch den Pott, der mit satten 222 Euro gefüllt ist. Auf die Zuschauer selbst wartet auch ein Preis, der im Rahmen einer Verlosung vergeben wird. Als besonderes Extra ist dieser Tag Release Day des „Fair…rappt Samplers 4“. Egal, ob Crew oder als Solo Act, bewirb dich jetzt unter: fairrappt@jh-essen.de mit Foto, Song und kleinem Pressetext.

Wo: Weststadthalle Essen
Wann: 12. Januar 2018
Open Doors: 19 Uhr Show 20 Uhr
Eintritt Publikum 5 Euro, Acts free

Beste Stimmung in der Weststadt: Knapp 150 HipHop-Fans feierten die Wettbewerbsteilnehmer. Foto: Basu und Chauvistré/Eckfilm GbR

FAQ:
#Kein Startgeld nötig
#Der Eintritt fürs Publikum liegt bei 5 €
#Crew max. 4 Personen
#Das Alter der Crew sollte im Schnitt unter 30 Jahre sein. Ausnahmen behält sich der Veranstalter vor.
#Keine Gästelistenplätze
#Das Publikum entscheidet
#Ein eigener DJ ist möglich, die Technik wird aber gestellt und Verwendung mitgebrachter Technik ist nur eingeschränkt machbar.
#Beat auf einem USB-Stick mitbringen

Die Bekanntgabe des Gewinners erfolgt am gleichen Tag. Die Preisverleihung findet im Rahmen der Fair…rappt!-Awards am Mittwoch, 24. Januar 2018, in der Weststadthalle statt.
Bewerbungsschluss ist der 10. Dezember, die Organisatoren wählen aber ab sofort Künstler aus, die einen Startplatz erhalten.

Die Reihenfolge der Startplätze wird ausgelost.
Der Rechtsweg ist ausgeschlossen!

HipHop und Heimat: Die Fachtagung informiert über praxisnahe Beispiele. Foto: JHE

3. Fachveranstaltung
Am 20. Februar laden das Jugendamt der Stadt Essen und Jugendhilfe Essen zu einer Fachtagung mit Workshops, Vorträgen und Praxisbeispielen für Lehrer, Pädagogen und Sozialarbeiter von 9 bis 16 Uhr in die Weststadthalle Essen ein. Die Fachtagung fragt nach der Bedeutung von Heimat und dem Umgang mit Menschen vieler Nationen im pädagogischen Alltag. Schwerpunkt sind praktische Beispiele und die Vermittlung von Übungen und Methoden für die Aufarbeitung des Begriffs in Schule und Jugendarbeit.

Dazu gibt es ein breites Programm mit sieben Workshops, acht Vorträgen sowie vier Infoständen. Mitten in die Materie kommen die Multiplikatoren mit Themen wie „Graffiti – der Weg zum eigenen Style“, „Heimat und Vorurteile“, Beatboxen“, „Radikalisierungsprozesse“ sowie „Heimat als Privileg?“. An Vorträgen sind beispielsweise „Fair…rappt! trifft Schule“, „Die bunte Heimat“ „Kreativ Campus“, „(M)eine Stadt – (D)eine Chance“ und „Das Roadshowmobil im Einsatz“ angesagt. Zusätzlich können sich die Besucher über Fair…rappt!, „Demokratie erleben“ sowie „Seenotrettung“ informieren und eine Fotoausstellung zum Thema Heimat besuchen.

Die Anmeldung erfolgt per E-Mail an anmeldung@jh-essen.de.
Anmeldebogen Fair...rappt!-Fachtagung [Download]

Politik trifft Rap: Die dritte Auflage von Politix hatte mehr als 250 Diskussionsteilnnehmer.
Politix-Trailer: Daniel Druyen (B90/Die Grünen).
Politix-Trailer: Martin Hollinger (FDP).

4. Politix 3.0
Politikverdrossen? Von wegen! Am 23. Februar debattierten knapp 250 Jugendliche der Klasse 9 aufwärts aus unterschiedlichsten Schulformen im Rahmen von „Politix 3.0“ die Themen Heimat, Rassismus und Naher Osten. Die etwas andere Podiumsdiskussion der Veranstaltungsreihe „Fair...rappt!“ von Jugendhilfe und Jugendamt Essen bringt Politiker, Rapper und Schüler zusammen.

„Wir haben das altehrwürdige Format der Podiumsdiskussion genommen und es jugendgerecht gestaltet“, erklärt Florian van Rheinberg aus der Politischen Jugendbildung des Jugendamts der Stadt Essen, „mit der Brisanz, dass Politiker nicht nur aufeinander, sondern Künstler und Jugendliche treffen, und durch die Arbeit mit Medien, Musikvideos der Sparte HipHop.“
So reiht sich Politix nahtlos an den Grundgedanken der Veranstaltungsreihe Fair...rappt!: jungen Menschen über das Medium Musik politische Themen näherzubringen. „Da muss man vorsichtig sein“, findet Martin Stichler, Projektleiter Fair...rappt!, der im HipHop lediglich den Turöffner sieht. „Sagt man, dass Jugendliche politikverdrossen sind, ist das nur die halbe Wahrheit. Es muss um ihre Themen gehen, dann macht es ihnen auch Spaß, sich damit auseinanderzusetzen.“ Am Freitagmorgen standen drei Blöcke auf dem Programm, die jeweils anhand eines Musikvideos diskutiert wurden: Heimat, Rassismus und Naher Osten.

Den Start machte „Representa“ von Haszcara, in dem die Göttingerin unter anderem die Frage nach der eigenen Identität stellt. In Deutschland aufgewachsen, aber sowohl mit mexikanischen als auch kroatischen Wurzeln keine leichte Sache für Haszcara: „Das ist immer etwas ambivalent. Heimat ist, sich willkommen zu fühlen.“ Daniel Druyen von B90/Die Grünen hat diesen Ort inzwischen gefunden: „Essen ist meine Heimat!“ Der in Düsseldorf groß gewordene Grünen-Politiker fühlte sich als Jugendlicher nirgendwo zugehörig. Das änderte sich, als er ins Ruhrgebiet zog: „Hier achtet niemand darauf, was du anziehst oder wie du aussiehst.“ Hinterher waren die Jugendlichen an der Reihe, viele haben bereits ähnliche Erfahrungen gemacht.
Noch kontroverser und emotionaler wurde die Debatte im zweiten Themenblock, Rassismus. Gerade die Kölner Rapperin Leila Akinyi kann von eigenen Erlebnissen berichten: „Wenn ich in der Bahn sitze und ein Bettler geht rum und fragt nach Geld: An mir geht er vorbei. Und warum? Weil ich schwarz bin“, so Akinyi. Hier findet der beruflich in der Kinder- und Jugendarbeit tätige FDP-Politiker Martin Hollinger einen versöhnlichen Abschluss: „Mir hat mal ein kleines Mädchen gesagt: Bei uns gibt es keine Ausländer, bei uns gibt es nur Menschen. Rassismus muss man erst lernen. Man wird nicht als Rassist geboren. Man sieht erstmal nur den Menschen.“

Starkes Rollenmodel für die Mädels: Haszcara wurde mit schwenkenden Feuerzeugen verabschiedet.
Gewinnt den Lautstärke-Vergleich: Amewu begeisterte Essen zum zweiten Mal mit seinem Live-Auftritt.

5. Abschlusskonzert in der Weststadthalle Essen
Mit dem Motto „Heimat“ traf „Fair...rappt!“ in seiner sechsten Auflage den Nerv der Zeit. Nach Textwettbewerb, Fachtagung und Podiumsdiskussion verabschiedete sich das HipHop-Projekt von Jugendhilfe und Jugendamt Essen mit einem Paukenschlag: Publikumsliebling Amewu brachte die Weststadthalle Essen ein zweites Mal zum Kochen.

„Ein geiles Line-Up mit fetten Acts“, lobt einer der Konzertbesucher die diesjährigen Künstler wie The Causticians, Contest-Gewinner Zamek sowie Prezident & Kamikazes. Mit Amir Gaper, El9Six und Karigar wurde Fair...rappt! noch internationaler: Die Drei kamen als Geflüchtete nach Deutschland, lernten ein Jahr lang als Gruppe die Szene kennen und führten gemeinsam auf der Bühne den Song zu „Heimat“ auf: „Wenn man einen sozialen Anker hat, klappt‘s mit der Integration viel besser“, weiß Jugendhilfe-Pädagoge Stichler.
Besonders freut sich der Fair...rappt!-Projektleiter, dass er in diesem Jahr mit Haszcara und DJane Crime Mary gleich zwei starke Rollenmodelle für die weiblichen HipHop-Fans gewinnen konnte. In der Wettbewerbsphase bewiesen Mädels oft ein besseres Gespür fürs Texten als manche Jungen, doch einige Eltern sahen nicht gerne, dass ihre Töchter sich auf diese Weise verwirklichten und es setzte sogar Verbote. Haszcara und Crime Mary werden dann vom Publikum auch gebührend gefeiert, mehrmals zur Zugabe gebeten und anschließend mit schwenkenden Feuerzeugen verabschiedet.

Höhepunkt des Abends war der Auftritt von Fair...rappt!-Wiederholungstäter Amewu, der diesmal zur Live-Beschallung den Drummer TrommelTobi am Start hatte. Sein Markenzeichen, den ständigen Dialog mit seinen Fans, erlebte die Menge schon beim Soundcheck, im direkten Lautstärke-Vergleich sieht der Berliner trotz Bescheidenheit einen klaren Sieger: „Eins zu 0.75 für mich!“ Mit seiner fulminanten Show setzte Amewu erneut das dicke Ausrufezeichen hinter eine weitere erfolgreiche Auflage von Fair...rappt!.

Starkes Programm für Kinder und Jugendliche: die HipHop-Veranstaltungsreihe Fair...rappt!.

6. Veranstaltungsreihe „Heimat“ auf einen Blick
Bester Live-Act // Fr., 12. Januar 2018 // 19 Uhr // Weststadthalle // AK 5 €
Im Wettbewerb kann sich der beste Live-Act beweisen, hinterher feiert der Fair…rappt!-Sampler „Heimat“ Premiere. Für Stimmung sorgen Smith & Smart.
Fair…rappt!-Awards // Mi., 24. Januar 2018 // 18 bis 21 Uhr // Weststadthalle // Eintritt frei
Auf den Fair…rappt!-Awards werden die Sieger von Sampler- und Songcontest gekürt.
Fachtagung „Heimat“ // Di., 20. Februar 2018 // 9 bis 16 Uhr // Weststadthalle // Kostenfrei
Die Fachtagung „Heimat“ fragt, was der Begriff in der pädagogischen Arbeit bedeutet und wie man den Umgang mit Menschen verschiedenster Nationen gestalten kann.
Politix 3.0 // Fr., 23. Februar 2018 // Weststadthalle Essen // 10 Uhr // Weststadthalle // Kostenfrei
Politix 3.0 ist die nächste Runde der etwas anderen Podiumsdiskussion. Die Veranstaltung ist für Schulkassen ab Stufe 9. Neben Haszcara, Leila Akinyi und T-Moe sind Politiker von Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke eingeladen.
Heimat – Das Festival, Teil 1 // Fr., 23. Februar 2018 // 20 Uhr // Weststadthalle // VVK 3 €, AK 5 €, KOMBITICKET 12 €
Warm-Up fürs große Abschlusskonzert mit 2 FSP, Canuto, King Lui, Rai der Rote, Effektiv, KSKW unter Dampf und Phillie.
Heimat – Das Festival, Teil 2 // Sa., 24. Februar 2018 // 20 Uhr // Weststadthalle // VVK 10 €, AK 16 €, KOMBITICKET 12 €
Abschlusskonzert mit Amewu und TrommelTobi. Support sind Prezident & Kamikazes, Haszcara sowie der Gewinner des Fair…rappt!-Wettbewerbs.

Die Tickets für Heimat – Das Festival gibts auf https://www.adticket.de/Heimat-Das-Festival.html.

Weitere Fragen, Infos, Anmeldung zu Konzerten/Fachtagungen und Einsendungen an:
Martin Stichler, Jugendhilfe Essen gGmbH, Schürmannstr. 7, 45136 Essen
fairrappt@jh-essen.de
, facebook.com/fairrappt

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