Bolzplätze als Kulturerbe
04.04.2018 - 13:33 Uhr
Das Deutsche Fußballmuseum will die Bolzplatzkultur des Ruhrgebiets in das Landesverzeichnis des immateriellen Kulturerbes in NRW eintragen lassen. Eine Idee, die auch Rot-Weiss Essen begrüßt: Schon im vergangenen Jahr werteten die Partner mit Jugendhilfe Essen (JHE) im Rahmen der Grünen Hauptstadt mit den „Bolzplatz-Paten“ vier Anlagen im Stadtgebiet auf.

Kick it like Özil: Der ehemalige RWE-Spieler unterstützt die Initiative als Schirmherr. Foto: Müller/EC

Gruß in die Heimat: DFB-Teammanager Oliver Bierhoff ist Bolzplatz-Pate an der Schillerwiese. Foto: Screenshot Video

„Für uns ist es wichtig, dass Kinder und Jugendliche ungestört miteinander kicken können. Mit unserer Aktion Bolzplatz-Paten wollen wir für sie Orte der Jugendkultur etablieren“, erklärt Arndt Wrona, Fachbereichsleiter Kinder- und Jugendarbeit der Jugendhilfe Essen, die Initiative.
Die Idee zu den Bolzplatz-Paten entstand in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit der Jugendhilfe Essen: „Junge Leute werden immer mal wieder von Bolzplätzen vertrieben. Damit Jugendliche etwas Sinnvolles mit ihrer Zeit anstellen können, müssen wir ihnen neben Sportvereinen und Jugendhäusern auch Plätze vorhalten, an denen sie das tatsächlich können“, weiß JHE-Fachbereichsleiter Wrona. Deshalb machte sich die Jugendhilfe auf die Suche nach sozial verträglichen Orten, an denen die Kids kicken oder sich einfach aufhalten können. Im Laufe des Jahres eröffneten die Partner dann vier verschiedene Anlagen in vier unterschiedlichen Stadtteilen. Neben den prominenten Paten wie Otto Rehhagel, Oliver Bierhoff oder Frank Mill sollen die Jugendlichen mit Unterstützung von Sozialarbeitern Verantwortung für ihren „Bolzer“ übernehmen.

„Im Käfig werden Fußballkünstler geboren“, weiß Tani Capitain, Geschäftsführer der Essener Chancen, „auch Mesut Özil hat auf dem Bolzplatz gezockt und dort spielerisch den Grundstein für seine Erfolge gelegt. Wir stehen voll hinter dem Antrag und drücken dem Deutschen Fußballmuseum beide Daumen!“

Mesut Özil ist Schirmherr
So ist es ein echter Volltreffer, dass das Deutsche Fußballmuseum bei seinem Vorhaben vom ehemaligen Rot-Weiss-Essen-Spieler und Weltmeister Mesut Özil unterstützt wird. Er hat die Schirmherrschaft über die Initiative übernommen: „Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass Kinder und Jugendliche auf unseren Bolzplätzen lernen, fair und unvoreingenommen miteinander umzugehen. Der Bolzplatzkick ist frei von Zwängen, jeder Spieler wird integriert und ist willkommen. Die Kids geben sich ihre eigenen Regeln und lernen spielerisch, dem anderen Respekt entgegenzubringen, Respekt gegenüber Menschen mit anderer Nationalität, anderer Hautfarbe oder anderem Glauben.“
Der entsprechende Antrag wurde beim Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen gestellt. Eine Entscheidung über die Aufnahme trifft bald eine unabhängige Fachjury. Das immaterielle Kulturerbe umfasst nach Definition der UNESCO-Konvention gesellschaftliche Bräuche sowie kulturelle und soziale Praktiken. Zum bundesweiten Verzeichnis gehören derzeit 68 Kulturformen.

Bolzplatz-Paten
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