Interview: Teilzeit ausgebildet – voll qualifiziert!
14.02.2019 - 09:31 Uhr
Im Projekt „TEP – Teilzeitberufsausbildung: Einstieg begleiten, Perspektiven öffnen“ bringt die Jugendberufshilfe Essen (JBH) motivierte Eltern, die ihre Ausbildung mit circa 30 Stunden die Woche machen wollen, und Betriebe, die engagierte Azubis in Teilzeit suchen, zusammen. Das Erfolgsmodell wurde im vergangenen Jahr um fünf Plätze aufgestockt. TEP-Sozialarbeiterin Andrea Woywode ist seitdem im Einsatz und erklärt im Interview, wie die JBH die Teilzeit-Auszubildenden auf dem Weg in den Beruf begleitet.

Ein starkes Team (v.l.): Andrea Woywode und Ruth Schlüter vermitteln interessierte Eltern in die Teilzeitausbildung. Fotos: Müller/JBH

Bereit für den Beruf: Teilnehmerinnen können Kenntnisse in Auffrischungskursen erneuern.

Hallo Andrea, wie lange bist du schon im Projekt TEP aktiv?
Woywode: Bis 2017 war TEP auf zehn Teilnehmerinnen begrenzt. Aufgrund des guten Vermittlungserfolges wurde das Projekt um fünf Plätze aufgestockt und gleichzeitig eine neue Stelle geschaffen. Seit Januar 2018 unterstütze ich Ruth Schlüter als Sozialarbeiterin und decke diese Plätze ab.

Was hast du vorher gemacht und warum hast du dich für die Arbeit im Projekt entschieden?
Ich war bei den Sozialen Diensten des Jugendamts und dort unter anderem in Kinderschutz, Eltern-, sowie Trennungs- und Scheidungsberatung tätig. Der Bereich Ausbildung und Beruf hat mich jedoch schon immer interessiert und ich habe viel mit Jugendlichen und im Bereich Übergang Schule Beruf gearbeitet. Die Tätigkeit im Projekt TEP ist genau das, was ich machen wollte. Wie bei den Teilnehmerinnen war es für mich als Mutter wichtig, dass sich Beruf und Familie in Teilzeit vereinbaren lassen.

Wie sieht die Arbeit im Projekt aus?
Es gibt zwei wesentliche Bereiche. Eine große Aufgabe ist die Teilnehmerakquise: Wir suchen über verschiedene Stellen Interessenten – sei es über Familienzentren, Kindergärten oder Schulen. Darüber hinaus arbeiten wir eng mit dem JobCenter Essen zusammen. Die andere Aufgabe ist die Betriebsakquise: Welche Unternehmen sind bereit und können die Teilzeitausbildung durchführen, wer will sich wirklich darauf einlassen, wer kennt das Modell TEP. In meinem ersten Jahr hatte ich den Eindruck, dass immer mehr Betriebe Interesse an Teilzeitausbildung haben.

Wie helft ihr den Teilnehmerinnen auf ihrem Weg in die Teilzeit-Ausbildung?
Zunächst erfolgt ein Erstgespräch, in dem wir prüfen, ob die Frauen ins Projekt passen. Sie brauchen beispielsweise einen Schulabschluss, sonst sind die Vermittlungschancen zu gering. In einem Berufseignungstest finden wir dann Stärken und Schwächen heraus. Die eigenen Vorstellungen entsprechen nicht immer den Anforderungen. Dann arbeiten wir gemeinsam mit ihnen aus, in welche Richtung es sonst gehen könnte. An Berufsbildern ist vieles möglich: Wir haben medizinische-, Rechtsanwalts- und Versicherungsfachangestellte, Kauffrauen für Büromanagement und Einzelhandel, Hauswirtschafterinnen und Verkäuferinnen.

Ab wann geht‘s für die Teilnehmerinnen los?
Der Einstieg ist individuell und jederzeit möglich. Auch gerade suchen wir motivierte Eltern, die eine Ausbildung in Teilzeit machen wollen. Sobald sie im Projekt sind, können sie an Auffrischungskursen für beispielsweise EDV oder Mathe teilnehmen und Bewerbungstrainings machen. Ihre Ausbildung beginnt im August oder September. Wir unterstützen sie außerdem bei der Kinderbetreuung oder persönlichen Schwierigkeiten. Die Erfolgsquote ist hoch: 14 von 15 Frauen wurden vermittelt, 90 Prozent von ihnen schaffen dann den Abschluss.

Die Jugendberufshilfe sucht ab sofort junge Eltern, die Interesse an einer Teilzeit-Ausbildung haben. Ansprechpartnerinnen sind Ruth Schlüter (Tel.: 0201 8854-310, E-Mail: r.schlueter@jh-essen.de) sowie Andrea Woywode (Tel.: 0201 8854-320, E-Mail: a.woywode@jh-essen.de). Ein Einstieg ist jederzeit möglich.

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