Zeche Carl verschenkt Popkultur zum Sitzen

Eine Geschichte von pophistorischen Sitzmöbeln, Kooperationen und Upcycling. Es klingt ein bisschen wie ein musikalisch untermaltes Stühlerücken bei der „Reise nach Jerusalem“, der Weg von 200 Veranstaltungsstühlen von der Grugahalle über die Zeche Carl bis zur Jugendberufshilfe in Essen-Bergerhausen.

Marcus Kalbitzer (li.), Geschäftsführer der Zeche Carl, übergibt die Veranstaltungsstühle in die Hände von Thomas Hegemann, Ausbilder der Jugendberufshilfe Essen.

In den zurückliegenden zehn Jahren hießen sie in der Zeche Carl immer nur „die blauen Stühle“ - die Veranstaltungsstühle, die in dieser Zeit bei unzähligen Vorstellungen von Kabarettisten, Comedians und Autoren in der Zeche Carl dem Publikum gute Dienste leisteten. Doch nicht nur hier haben sie ihren Zweck mehr als erfüllt. Ursprünglich angeschafft wurden sie mit hellbraunem Kunstlederbezug nämlich in den 1970er Jahren für die Grugahalle, wo sie bis in die 00er Jahre ihre Dienste taten. Zwischendurch erhielten sie in den 80ern ein neues Outfit mit schickem blauen Stoff, und zwar in Altenessen auf der Karlstraße bei Raumausstattung Gröting.

2010, kurz nach Neugründung der Auf Carl gGmbH, spendete die Grugahalle der Zeche Carl einen Teil dieser Bestuhlung. 2020 gab die Zeche Carl wiederum einen Teil der Vier-Beiner an das KD11/13 in Altenessen weiter. Und jetzt zum Jahresauftakt - aber auch guten Schluss - den Rest an die Jugendberufshilfe. Dort werden die scheinbar unkaputtbaren, hölzernen Sitzgelegenheiten von Jugendlichen erneut fachmännisch aufgearbeitet und weiter genutzt.

50 Jahre alt und eigentlich kaum kaputt zu kriegen. Wer kann das schon von sich sagen? Eine ungewöhnliche Stuhlhistorie und ein Beispiel für gelungene Kooperationen von Institutionen untereinander ebenso wie für eine nahezu vollkommene Ausschöpfung der Wertschöpfungskette im Sinne von Nachhaltigkeit.
JHE-Geschäftsführer Thomas Wittke freut sich über die Spende: "Unglaublich, wen die Stühle schon auf der Grugahallen-Bühne gesehen haben: Johnny Cash, Udo Jürgens, Udo Lindenberg, Muhammad Ali oder Tina Turner – und später viele Künstler in der Zeche Carl. Die Möbel sind ein Teil der Essener Popgeschichte. Wir können die Sitzgelegenheiten sehr gut für größere Veranstaltungen gebrauchen. Unsere Jugendlichen aus Tischlerei, Raumausstattung und Maler-Werkstatt werden den einen oder anderen Stuhl restaurieren müssen, aber das ist eine schöne, gewerkeübergreifende Aufgabe."
 

 

Marcus Kalbitzer (li.), Geschäftsführer der Zeche Carl, übergibt die Veranstaltungsstühle in die Hände von Thomas Hegemann, Ausbilder der Jugendberufshilfe Essen.

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